Ayla Blaschke im Gespräch mit Udo Pfeifer, Nexus Immobilien, über Gewerbeimmobilien und die Hartmannfabrik in Chemnitz.
Ayla Blaschke: Ich freue mich sehr, Udo, dass du heute bei uns zu Gast bist.
Udo Pfeifer: Wir müssen erstmal in Chemnitz unsere Hausaufgaben erledigen. Bürokratie, schnelle Entscheidungswege, das muss einfach umgesetzt werden, und dann wird es besser.
Ayla Blaschke: Warum ist es nicht möglich, dass Chemnitz sagt, wir bauen hier ein Rechenzentrum? Was fasziniert dich an dem gewerblichen Bereich?
Udo Pfeifer: Ich diskutiere lieber lang und heftig mit Kaufleuten, streite mich aber nicht so gern mit der Privatperson über den tropfenden Wasserhahn.
Ayla Blaschke: Warum sollte jetzt ein Investor kommen und irgendwo neu zu bauen, wenn der Markt quasi unter Druck geraten ist? Hier sehe ich eben im Chemnitzer Markt die Frage, wofür unser Standort denn zukünftig überhaupt steht. Wie gehst du mit diesem ganzen Thema um? Sind wir total hemmungslos unterwegs, wenn ihr das hinbekommt für den Gewerbebereich?
Udo Pfeifer: Ich bin dabei. Wir arbeiten daran.
Ayla Blaschke: Udo, wenn du heute nur eine einzige Gewerbeimmobilie in Sachsen erwerben könntest, welche wäre das und warum?
Udo Pfeifer: Das ist eine spannende Frage. Da fällt mir ein, vielleicht eine der neuen Chipfabriken in Dresden, also von TSMC oder von Infineon eine. Ja, das würde mir gut gefallen.
Ayla Blaschke: Das ist auf jeden Fall schon eine spannende Antwort, und wahrscheinlich zeigt mir das auch schon, dass du der richtige Gast hier bei uns im Immobilien-Podcast bist. Bei deiner Antwort höre ich natürlich auch schon raus, es geht jetzt nicht nur um die Immobilie an sich, sondern auch um die wirtschaftlichen Entwicklungen dahinter, die es mit sich bringt, wenn sich so eine Chipfabrik ansiedelt. Der Aktienkurs ist ja auch gestiegen. Bei Infineon hast du das auch beobachtet, 2025 ist nach oben gegangen. Für Dresden ist das natürlich auch ein richtig gutes Zeichen. Wenn man über Immobilien spricht, dann geht es ja sehr häufig um den wohnwirtschaftlichen Immobilienbereich, aber man sieht auch anhand dieses Beispiels, dass der Gewerbeimmobilienbereich eine Menge zu bieten hat, sehr viele Herausforderungen, aber auch Potenziale. Und genau darüber wollen wir heute sprechen, über den Gewerbeimmobilienmarkt in Sachsen, und ich freue mich sehr, Udo, dass du heute bei uns zu Gast bist. Vielen Dank für die Einladung. Genau, als erster Gast beim Immobilien-Podcast.
Ayla Blaschke: Hinter einem großen Investment steckt ja auch immer die Geschichte des Unternehmers, des Bauherrn oder auch des Projektentwicklers. Möchtest du mal ein bisschen was über dich erzählen, Udo, damit wir ja einfach mal ein Gefühl dafür bekommen, woher du kommst, was du so gemacht hast, wie du zu dem Thema Gewerbeimmobilien gekommen bist?
Udo Pfeifer: Ich versuche es kurz zu halten. Ich bin Baujahr 67, bin in meiner Jugend bis zum 21. Lebensjahr Leistungssportler gewesen, hier in Karl-Marxstadt, später Chemnitz. Bin dann direkt in das elterliche Unternehmen eingetreten, welches quasi im Bereich Transport und Handel unterwegs war. Habe dann gemeinsam mit meinen Eltern ein Unternehmen aufgebaut für Getränke-Gross- und Einzelhandel beziehungsweise auch Getränkelogistik. Und hatte dort schon viel Kontakt gewissermaßen zu Logistikhallen, zu Lagerhallen im weitesten Sinne oder auch zu Einzelhandelsstandorten, die gewerblich genutzt werden, also Standortanalysen etc. Alles das war dann schon immer ein Thema für uns, und vor dem Hintergrund war es naheliegend, weil wir uns eben dort auskannten, dass wir uns dann mit dem quasi Abschied aus dem Getränkegeschäft um das Thema Gewerbeimmobilien im Wesentlichen gekümmert haben.
Ayla Blaschke: Udo, du hast etwas geschafft in Chemnitz, was viele für unmöglich hielten, auch in einer sehr besonderen Zeit. Du hast die Hartmannfabrik revitalisiert und zum Herzstück der Kulturhauptstadt Europas 2025 gemacht, in einer Zeit, die für viele Bauherren und Projektentwickler sehr herausfordernd war. Die Corona-Krise war da, der Ukraine-Krieg hat begonnen, die Baukosten sind durch die Decke gegangen, Zinsen gestiegen, also es war eine ganz verrückte Zeit. Deshalb auch von meiner Seite der größte Respekt, dass du das umgesetzt hast. Hinter so ein großes Investmentprojekt, was du da getätigt hast, steckt ja auch immer eine ganz persönliche Geschichte. Vielleicht magst du uns einfach mal ein bisschen was von dir erzählen, wie du überhaupt zu dem Thema Gewerbeimmobilien gekommen bist, wie du da hingekommen bist.
Ayla Blaschke: Zum Thema Gewerbeimmobilien bin ich schon relativ früh gekommen, weil wir in der Vergangenheit als Getränke-Grosshändler und Getränke-Logistiker, aber auch als Getränke-Einzelhändler in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt unterwegs waren. Wir haben immer wieder nach besseren, grösseren, alternativen Standorten gesucht, Bestandsstandorte übernommen, revitalisiert und neu gebaut. Vor diesem Hintergrund habe ich etwas Kompetenz in dem Bereich Gewerbeimmobilien über die Jahre gewinnen können. Wir betreuen sowohl wohnwirtschaftliche als auch gewerbliche Immobilien, wobei die wohnwirtschaftlichen den Löwenanteil ausmachen. Hier geht es sehr viel um emotionale Themen bei Transaktionen. Bei Verkäufen freuen sich die Käufer über positive Erlebnisse, während es bei Verkäufen manchmal anders aussieht. Für mich war das trotzdem immer sehr schön, weil die Arbeit sehr abwechslungsreich ist und mich begeistert hat. Es war nie langweilig, es ist immer eine Menge los. Was fasziniert dich an dem gewerblichen Bereich?
Udo Pfeifer: Im gewerblichen Bereich hast du ein anderes Klientel an Menschen, mit denen du dich auseinandersetzt. Das war für mich ein echter Schwerpunkt. Ich diskutiere lieber lang und heftig mit Kaufleuten über einen Ausstattungsgrad, einen Preis oder einen Standort, streite mich aber nicht so gern mit Privatpersonen über alltägliche Probleme. Ich bin ein Fan von längerfristigen Verträgen, so dass man mit einem Objekt einen relativ grossen Umsatz machen kann, ohne übermässig viel Aufwand oder grosse Organisation zu benötigen, um zum Beispiel zehn oder zwanzig Gewerbeimmobilien zu bewirtschaften.
Ayla Blaschke: Investoren fragen mich häufiger, wo du die höheren Renditen siehst, eher im wohnwirtschaftlichen Bereich oder im gewerblichen Bereich? Was würdest du jemandem empfehlen, der in den gewerblichen Bereich einsteigt?
Udo Pfeifer: Das Rendite-Thema kann ich so gar nicht pauschal beantworten. Im wohnwirtschaftlichen Umfeld gibt es genügend Unternehmer, die auskömmliche Renditen erwirtschaften und genauso erfolgreich sind wie Gewerbeimmobilienbetreiber. Das Gleiche gilt umgekehrt auch im negativen Bereich. Menschen, die im Gewerbeimmobilienbereich erfolglos sind, gibt es ebenfalls. Pauschal zu sagen, was mehr Rendite bringt, fällt mir schwer. Renditen entstehen aus einer Mischung aus Qualität. Wie hochqualitativ ist ein Standort? Ist er der richtige und interessante Standort für Gewerbetreibende? Dazu zählt eine Autobahnanbindung, dass das Elektrizitätsumfeld passt und dass gegebenenfalls andere Gewerbebetriebe in der Nähe sind, wo man sich austauschen und unterstützen kann. Last but not least ist wichtig, wie du einsteigst. Kaufst du eine Bestandsimmobilie günstig ein oder legst du bei der Entstehung hohe Kostendisziplin an den Tag, um entsprechende Margen zu erzielen? Man muss jeden Fall für sich betrachten, die Wirtschaftlichkeit ausrechnen und die Entwicklung analysieren. Die soziodemografischen Daten sind wichtig, um zu schauen, wie sich die einzelnen Gebiete entwickeln.
Ayla Blaschke: Da seid ihr bei ESTAYA schon ziemlich gut. Was sind aus deiner Sicht die grössten Hürden im Gewerbemarkt hier im Chemnitzer Umfeld, und was könnte Investoren gegebenenfalls zurückhalten, in dieser Stadt zu investieren?
Udo Pfeifer: Ich würde die Frage etwas anders stellen. Investoren sind immer da, wenn es für neu entstehende Objekte entsprechende Nutzer gibt. Hier sehe ich im Chemnitzer Umfeld...
Ayla Blaschke: Und hier sehe ich im Chemnitzer Markt die Frage, wofür unser Standort zukünftig überhaupt steht. Denn wir haben in Chemnitz und Westsachsen, ich würde das Gebiet etwas weiter fassen, deutliche Herausforderungen im Bereich Maschinenbau und insbesondere im Automotive. Glaubst du, es wird in der näheren Zeit eher zu Leerständen von Gewerbeimmobilien kommen, wo es noch keine Nachnutzung gibt? Warum sollte ein Investor neu bauen, wenn der Markt unter Druck gerät und die Mieten tendenziell nach unten rutschen? Eine zweite oder dritte Nutzung ist von jeher günstiger als Neubau. Das Investorenthema: Wir müssen in Chemnitz erst unsere Hausaufgaben erledigen. Wenn das erledigt ist, gilt es, wenig Bürokratie und schnelle Entscheidungswege umzusetzen, wie es in den Medien gefordert wird. Dann wird es besser. Hast du das Gefühl, dass die Erstellung der Chipfabrik in Dresden sich positiv auf den Gewerbemarkt in Chemnitz auswirken kann? Die Nähe zu Dresden ist nicht weit, die Leitstrecken sind da. Siehst du Potenzial für Synergien?
Udo Pfeifer: Das kann ich mir gut vorstellen. Ich kenne das Umfeld von Chipfabriken und kann nicht so richtig einschätzen, was dort an Dienstleistern sich ansiedelt. Wenn es Dienstleister rund um Logistik mit hoher Preissensibilität sind, könnte sich die Region Chemnitz als Ansatzstelle gut funktionieren.
Ayla Blaschke: Du hast einige Gewerbeimmobilien realisiert. Die Hartmannfabrik war schon angesprochen, aber du hast auch viele weitere saniert und revitalisiert. Hattest du das Gefühl, dass sich bei einem dieser Projekte im Mikrostandort und Makrostandort Dinge verändert haben, die dem Standort zugutekamen?
Udo Pfeifer: Ja und nein. Nehmen wir die Hartmannfabrik. Nur weil sie neu genutzt wird, heißt das nicht, dass im unmittelbaren Umfeld Signifikantes passiert ist. Aber wenn man das Gesamtkonstrukt anschaut, den gesamten Hartmannplatz mit der Turnhalle und der neu entstandenen Schule, hat sich das Ensemble am Chemnitzfluss toll entwickelt. Das bedarf mehrerer Investoren. Ein anderes Beispiel ist der Ausgleichsbereich, wo es jetzt auch Mehrfamilienhäuser gibt. Da wundere ich mich, dass das noch nicht eher angepackt wurde. Zurzeit sind die Leute nicht so begeistert vom Bauen. Ein zweites Beispiel ist unser größter Produktionsstandort von Coca-Cola in Thüringen, den wir 2019 erworben haben. Früher waren dort 150 Mitarbeiter tätig, wir haben das Objekt als Leerstand übernommen. Heute arbeiten dort ungefähr 350 Mitarbeiter in verschiedensten Branchen. Besonders stolz bin ich auf das Verwaltungsgebäude, das zum Medienzentrum geworden ist. Dort haben zwei große private Thüringer Radiosender ihre Heimat gefunden und sind von Erfurt nach Weimar gezogen.
Ayla Blaschke: Und das sieht man also, dass sich durch so eine Investition, indem man sich dort öffnet, wirklich auch was bewegen kann an so einem Standort. Ja, so soll es ja auch sein, wenn so viel Geld an einem Standort investiert wird, dann ist das natürlich auch der beste und schönste Effekt, der erzielt werden kann. Ja, wir haben das auch bei unserem Projekt gemerkt, dass genau, wenn man eine grosse Wohnimmobilie jetzt saniert hat, dann merkt man schon, dass der ein oder andere auf einen zukommt und neugierig wird, welche Zielmieten habt ihr denn erreicht und wie ist das Projekt gelaufen. Und man merkt schon, dass die Bereitschaft dann von kleineren oder anderen Investoren auch grösser wird, sich mal ein Projekt anzuschauen, was rechts oder links daneben liegt, und dann vielleicht doch mal auch Geld zu investieren, um das Quartier ja noch schöner zu machen. Und die anderen umliegenden Immobilien profitieren ja am Ende auch davon, von der entsprechenden Wertsteigerung. Absolut, möglich. Ja, ein grüner Effekt, der daraus entsteht. Ich möchte gerne noch mal ein bisschen näher auf die Hartmann-Fabrik eingehen, genau, und zwar interessiert mich schon ein bisschen mehr die Geschichte dahinter, quasi wie bist du denn zu der Immobilie überhaupt gekommen. Also man fährt ja nicht einfach vorbei, oder vielleicht bist du doch einfach nur vorbeigefahren und dachtest, das ist die schönste Industriehalle, die ich je gesehen habe, die muss ich jetzt unbedingt sanieren. Mich interessieren auch, ich sag mal, deine grössten Ängste bei dem Projekt und die grössten Herausforderungen, aber ja, vielleicht auch die schönsten Momente, die du dabei hattest, in der Phase des Baus erlebt hast.
Udo Pfeifer: Also Hartmann-Fabrik ist tatsächlich ein Thema, die verfolgt mich schon länger. Wir hatten … Ich habe mir den Standort schon einmal angesehen, weil ein befreundeter Gastronom dort tatsächlich eine Hausbrauerei einbauen wollte und ich mit ihm gemeinsam darüber nachgedacht habe, das Objekt zu erwerben. Das hatte sich damals zerschlagen, a, weil der Kaufpreis zu hoch war und b, weil uns dann doch ein bisschen auch der Mut verlassen hat, weil die Dimension von der Hausbrauerei mit Gastronomie usw. das wäre schon auch ein echter Knaller gewesen, also wirtschaftlich. Dann gab es einen weiteren Versuch, das Objekt einer Nutzung zuzuführen, indem man dort einen Lebensmittelmarkt reinmacht, auch das, wo jemand überlegt. Da war ich auch mit dem nächsten Eigentümer in der Verhandlung, konnte mich mit dem aber auch gar nicht über den Preis verständigen. Und dann war es im Jahr 2017 oder 2018, hatte ich gehört, dass eben wiederum ein neuer Eigentümer sich mit dem Objekt beschäftigt hatte und ihn hatte aber dann auch so ein bisschen der Mut verlassen, da zu investieren. Und dann haben wir gesagt, so, wir trauen uns das zu, das Objekt zu sanieren. Ich hatte damals im Kopf, dass wir tatsächlich in 2018 eben in Richtung Co-Working etwas Neues im Chemnitzer Markt platzieren, also WeWork war so quasi der grosse internationale Player, den wir im Auge hatten und wie erfolgreich die Story war seinerzeit. Und ja, bis wir dann tatsächlich begonnen haben, bis wir genehmigungstechnisch soweit waren, etc., war es ja dann schon 2020, 2021. Ich hatte auch, weil ich ja noch in anderen Geschäften tätig war, jetzt auch keinen echten Schwerpunkt auf das Objekt gelegt, dass es besonders schnell losgehen muss. Und ein weiterer Punkt war, dass die damalige Bürgermeisterin, die Barbara Ludwig, auf uns zugekommen ist und mich gefragt hat, ob ich mir denn vorstellen könnte, wenn denn Chemnitz den Zuschlag bekommt, Kulturhauptstadt Europas zu werden in 2025, ob denn das nicht das Headquarter gewissermassen sein könnte. Ja, da hatte ich jetzt nicht so intensiv drüber nachgedacht, habe aber gesagt, ja, kann ich mir vorstellen, geht los. Mit der Aussicht auf einen Mietvertrag, aber auch, weil das Thema Chemnitz als Kulturhauptstadt fand ich super. Ja, also das war eine Riesenidee, eine tolle Herausforderung, und ja, als Chemnitz so zum Leuchtturm zu bringen, mal zum Leuchten zu bringen für ein Jahr, das hat mich schon auch angefühlt. Das motiviert natürlich dann auch, so ein grosses Projekt zu realisieren, ne?
Ayla Blaschke: Ja, in der Tat. Schöne Geschichte. Okay, und wir hatten, oder ich hatte ja eingangs schon gesagt, es war eine sehr schwere Phase. Wie hast du diese Bauphase und die ganzen Widrigkeiten, ich sag mal, empfunden als Bauherr?
Ayla Blaschke: Die Rahmenbedingungen haben sich in den Jahren massiv verändert. Wie hast du das empfunden und wie bist du mit diesen Themen umgegangen? Wie hast du versucht, Lösungen zu finden?
Udo Pfeifer: Die Barkosten haben sich nahezu verdoppelt. Wir hatten eine komplett andere Planung und sind bei gigantisch höheren Baupreisen am Ende herausgekommen. Das hatte zwei Gründe. Erstens war die Planungsphase in der Pandemiezeit unfassbar kompliziert und langwierig, da die Ämter teilweise geschlossen waren und wir uns nur digital oder telefonisch austauschen konnten. Zum Glück hatte ich einen Kollegen, der das Projekt mitmanaged hat und quasi durchs Kellerfenster ins Bauamt gekrochen ist, um Gespräche zu führen. Das war eine spannende Phase. Da die Behörden nicht rauskamen, mussten wir alles visualisieren und fotografieren, um das Denkmalschutzamt zu überzeugen, da wir nicht in die Objekte kommen konnten. Das hat die Bauphase und die Planungsphase extrem verlängert.
Ayla Blaschke: Du musstest dabei wahnsinnigen Druck verspüren. Wenn die Planungsphase sich verlängert, man aber mit der Aussicht auf Kulturhauptstadt 25 beginnt, weiß man, dass es hinten eng werden kann. Ist das Zeitplan her eng geworden?
Udo Pfeifer: Ja, das ist schon eng geworden. Wir haben von 2021 bis 2025 geplant. Das war herausfordernd, aber die Beteiligten waren wirklich konstruktiv. Ein Beispiel war das Dach. Hätten wir es so saniert, wie das Denkmalschutzamt es gewünscht hätte, hätten wir viel länger gebraucht und es wäre teurer geworden. Stattdessen haben wir das Dach komplett runtergenommen und denkmalschutzgerecht neu gebaut. So sind wir im Zeitplan geblieben. Dass man mit den Leuten vom Denkmalschutz reden konnte und ihr Verständnis gefunden hat, war hilfreich.
Ayla Blaschke: Der Mietvertrag mit der Stadt läuft noch bis 2029. Hast du danach konkrete Pläne oder wünschst du dir einen bestimmten nächsten Mieter für die Immobilie, die du so aufwendig saniert hast?
Udo Pfeifer: Mein Wunsch ist, dass der Standort weiterhin einer kulturellen Nutzung zugeführt wird. Das wäre schön, auch als Nachfolge der Kulturhauptstadt. Alternativ könnte ich mir einen Standort für eine Firmenzentrale vorstellen, wenn sich ein größeres Unternehmen dort ansiedeln würde. Das wäre spannend, weil es sich um ein architektonisch besonderes Gebäude handelt.
Ayla Blaschke: Meine absolute Traumfrage: Wenn Geld, Baugenehmigungen und bürokratische Prozesse keine Rolle spielen würden, welche gewerbliche Immobilie würdest du in Chemnitz gern errichten?
Udo Pfeifer: Tolle Frage. Ich träume nicht so viel, aber ich sehe das im größeren Kontext. Erst müssen wir wissen, wo wir mit unserer Stadt hin möchten und wo die Stadtoberen Chemnitz in der Zukunft sehen.
Ayla Blaschke: Ich stelle mir vor, dass Chemnitz zukunftsfähige Spielfelder in der Forschung belegt. Ob das Digitalität, Hirnforschung oder Maschinenbau ist. Warum spielt Robotik bei uns keine echte Rolle? Perspektivisch werden Maschinen und Produkte von Robotern gebaut. Dafür braucht man eine Universität mit 20.000 Studenten, die international anerkannt ist und junge, intelligente Menschen ausbildet. So kann man Investoren halten. Man könnte zum Beispiel ein Rechenzentrum bauen, wenn das energetische Umfeld passt. Rund darum siedeln sich IT-Unternehmen an. Das wäre ein schneller Antritt. Natürlich braucht man Partnerschaften, denn Rechenzentren sind teuer. Das passt zur Industriestadt Chemnitz. Ich bin von ESTAYA Real Estate und bauen unsere eigenen Tools. Wir sind an Transparenz in der Immobilienwirtschaft interessiert. Wie siehst du das im gewerblichen Segment? Wie digital arbeitest du als Gewerbeinvestor und woher nimmst du die Daten für Investmententscheidungen?
Udo Pfeifer: Wir haben ein ERP-System aus der Immobilienwirtschaft, aber das dient nur der Abwicklung von Projekten, Verträgen und Nebenkosten. Beim Scouting des Marktes sind wir hemmungslos unterwegs. Alles läuft zu Fuss, viel Bauchgefühl und das Verfolgen allgemeiner Wirtschaftsdaten. Das ist genau der Punkt, an dem wir uns wünschen würden, perspektivisch auf Daten zurückzugreifen, um schneller und nachhaltiger Entscheidungen zu treffen. Im wohnwirtschaftlichen Bereich ist die Transparenz höher. Für Hotspots gibt es Marktberichte. In den Randgebieten wird es schwieriger, aber es sind genügend Daten zu Überlagen, Kaufpreisen und Mieten vorhanden. Im Gewerbebereich ist das sehr fragmentiert und schwierig. Man muss Leute kennen, um zu erfahren, wie hoch die Miete etwa bei einem Bäcker oder in einer Gewerbehalle ist. Das ist nicht transparent und es besteht grosser Nachholbedarf.
Ayla Blaschke: Wenn ihr das, was ihr im wohnwirtschaftlichen Bereich macht, auch für den Gewerbebereich hinbekommt, bin ich dabei. Wir arbeiten daran.
Ayla Blaschke: So, letzte Frage, Udo. Das wird auch ein bisschen zum Markenzeichen von unserem Podcast. Welches Thema rund um Gewerbeimmobilien würdest du spannend finden für eine nächste Folge, und wen würdest du vielleicht auch einladen in diesen Podcast als nächstes?
Udo Pfeifer: Tatsächlich eine schwierige Frage. Aber vielleicht wäre der Vorschlag, dass es nicht so komplett nur für Immobilien-Nerds ein Thema ist. Was macht die Digitalisierung im Handel, also der Eintritt von Amazon, Zalando und Co. von den großen digitalen Plattformen? Was sind die Auswirkungen auf Innenstädte? Speziell jetzt mal für Chemnitz, wir haben mit dem Weggang von Kaufhof quasi eine größere Baustelle bei uns in der Chemnitzer Innenstadt. Was macht diese Veränderung im Handel, was macht das mit unseren Innenstädten?
Udo Pfeifer: Und da würde ich vorschlagen, einmal einen jungen Mann aus der Unternehmensgruppe von Kurt Krieger. Das wäre der Thomas Stoyke, der ist Center-Manager von unserem Chemnitz-Center und der ist meines Erachtens auch zuständig für den von der Krieger-Gruppe übernommenen Kaufhof in der Chemnitzer Innenstadt. Wie er den Markt sieht, das wäre ein Vorschlag. Anderer Vorschlag: Jörg Knöfel, das ist der Center-Manager von unserer Roten Turmgalerie. Auch ein sehr, sehr kompetenter Mann, dem ich zutraue, uns hier gut rede- und antwortstehen zu können.
Ayla Blaschke: Ja, ich finde auch beide sehr spannend und auch Themenfelder, die viele Leute in Chemnitz auch interessieren und bewegen. Weil der ganze E-Commerce-Bereich natürlich zugelegt hat und die Leute auch merken, dass es da Veränderungen gibt, spürbar, auch für alle von uns, die hier in der Stadt leben.
Udo Pfeifer: Ganz genau.
Ayla Blaschke: Ja, toll, vielleicht bekommen wir das ja hin. Wäre schön. Ja, Udo, vielen lieben Dank, dass du heute in unserem Podcast warst, dass du so ehrliche und transparente Einblicke auch in die gewerbliche Immobilienbranche gegeben hast hier in Chemnitz und auch in deine Projekte natürlich. Du hast ja nicht nur in Quadratmeter investiert, sondern auch sehr viel Geld und Leidenschaft und Mühe in die Stadt Chemnitz, was ich persönlich sehr beeindruckend und schön finde.
Udo Pfeifer: Ja, also vielen Dank, dass du ja der erste Gast warst und das mit mir zusammen gemacht hast. Liebe Ayla, herzlichen Dank, und ich bin total happy, erstens, dass ihr mich eingeladen habt, und ich wünsche euch für euer Format und für eure Zukunft rund um Estaya ganz viel Erfolg, insbesondere auch im Gewerbebereich.
Ayla Blaschke: Dankeschön.
Udo Pfeifer: Bitte, bitte.